Ein Walschädel liegt auf einer Rasenfläche in Mossel Bay

Geschichte

Geschichte von Mossel Bay

Ein Milkwood-Baum, ein Schuh, eine Nachricht für das nächste Schiff. So fing die Post in Südafrika an. Die Geschichte der Bucht reicht viel weiter zurück, zu Menschen, die vor 164.000 Jahren Muscheln sammelten.

Der Milkwood im Garten des Dias-Museums ist breit und niedrig, die Äste hängen fast bis auf den Rasen. Unter ihm steht ein Briefkasten in Form eines Stiefels. Wer eine Karte einwirft, bekommt einen Sonderstempel. Vor mehr als fünfhundert Jahren hing an diesem Baum ein Schuh mit einem Brief darin, und ein paar Schritte weiter, am Wasser, gingen die ersten Europäer an Land, die je südafrikanischen Boden betraten. Und ein paar Kilometer westlich beginnt die Geschichte noch einmal ganz von vorn, 164.000 Jahre früher.

Pinnacle Point: Muscheln vor 164.000 Jahren

Westlich der Stadt, unter einem Golfplatz auf den Klippen, öffnen sich dicht über dem Wasser mehrere Höhlen. Seit 2000 gräbt dort ein internationales Team unter Curtis Marean von der Arizona State University. Was es gefunden hat, verschiebt die Antwort auf eine große Frage: Seit wann verhalten sich Menschen so wie wir?

Die Höhlen waren vor 170.000 bis 40.000 Jahren bewohnt, mit Unterbrechungen. Die ältesten Fundschichten sind rund 164.000 Jahre alt. Darin liegen Muschelschalen und Reste von Robben und Walen, also Nahrung aus dem Meer, so früh wie an keinem anderen bekannten Ort. Dazu Ocker, mit dem sich die Menschen vermutlich bemalten. Und Werkzeuge aus Silkret, einem Gestein, das sich erst nach dem Erhitzen im Feuer gut bearbeiten lässt. Wer Stein im Feuer vorbehandelt, plant über mehrere Schritte voraus. In der Höhle PP13B fanden sich außerdem menschliche Überreste, rund 100.000 Jahre alt.

Seit 2024 gehört Pinnacle Point zum UNESCO-Welterbe, zusammen mit anderen Fundplätzen in Südafrika unter dem Titel „The Emergence of Modern Human Behaviour“. In die Höhlen kommst du nur mit Führung.

Pinnacle Point
164.000 Jahreälteste Belege für Meeresnahrung und Ocker
Dias
1488erste Europäer an Land in Südafrika
Leuchtturm
1864seit dem 15. März in Betrieb
Welterbe
2024Pinnacle Point auf der UNESCO-Liste

Die Khoikhoi an der Küste

Lange bevor ein Segel am Horizont auftauchte, lebten Khoikhoi an dieser Küste. Die Menschen hielten Rinder und Schafe, zogen mit den Herden zwischen Weide und Wasser und sammelten am Ufer Muscheln, wie es hier seit Jahrtausenden Brauch war. Die Gruppe am Gouritz, dem Fluss westlich der Bucht, wird als Gouriqua überliefert. Für sie war die Bucht kein Ziel einer Entdeckung, sondern Zuhause.

Schriftliche Quellen haben die Khoikhoi nicht hinterlassen. Alles, was wir über die Begegnung von 1488 wissen, stammt aus portugiesischen Berichten, also aus der Sicht der Ankömmlinge. Lies den nächsten Abschnitt mit diesem Vorbehalt.

3. Februar 1488: Bartolomeu Dias

Dias war von Lissabon aufgebrochen, um den Seeweg nach Indien zu finden. Vor dem Kap trieb ihn ein Sturm weit nach Süden, und als er wieder Land sah, lag es im Norden. Er hatte die Südspitze Afrikas umrundet, ohne sie zu sehen. Am 3. Februar 1488 ankerte er in der Bucht.

Es war die erste Landung von Europäern auf südafrikanischem Boden. Die Portugiesen brauchten Wasser und gingen zu einer Quelle nahe dem Ufer. Die Khoikhoi, denen diese Wasserstelle gehörte, wehrten sich gegen die Fremden, und die Begegnung endete gewaltsam. So weit die Überlieferung, genauer wird sie nicht. Der erste Kontakt zwischen Europa und Südafrika war ein Streit ums Wasser.

Der 3. Februar ist der Tag des heiligen Blasius. Das Kap an der Südseite der Bucht heißt bis heute Cape St Blaize, und der Leuchtturm dort trägt denselben Namen.

Vasco da Gama und der Schuh am Milkwood

Neun Jahre später, 1497, ankerte Vasco da Gama in derselben Bucht, auf der Fahrt, die ihn bis nach Indien bringen sollte. Auch er nahm Wasser. Von da an zogen Jahr für Jahr Flotten aus Lissabon um das Kap, und die Bucht wurde zur Wasserstelle am Wegesrand.

1500 oder 1501, je nach Quelle, suchte der Kapitän Pedro de Ataíde nach einem Sturm Schutz in der Bucht. Er wollte die nachfolgende Flotte warnen. Also schrieb er einen Bericht über das Unglück, steckte ihn in einen alten Schuh und hängte den an einen Milkwood-Baum über dem Strand. João da Nova, für den die Nachricht bestimmt war, fand sie und ließ neben dem Baum einen kleinen Schrein errichten. Der erste Briefkasten und die erste christliche Andachtsstätte Südafrikas stehen am selben Fleck.

Der Baum steht noch. Er ist geschützt und trägt heute den Briefkasten in Form eines Stiefels; was du dort einwirfst, bekommt den Sonderstempel des Post Office Tree.

Luftbild von The Point bei Mossel Bay im Abendlicht, Felsplatten und Brandung
The Point am Abend. An diesen Felsplatten fuhren Dias, da Gama und alle nach ihnen vorbei.

Wie die Bucht zu ihrem Namen kam

Die Portugiesen hatten der Bucht einen Heiligennamen gegeben. Die Niederländer, die ab Ende des 16. Jahrhunderts auf demselben Weg nach Osten segelten, sahen etwas anderes: Muscheln, die man am Strand sammeln und essen konnte. Zwei Überlieferungen gibt es zur Namensgebung. Nach der einen nannte Cornelis de Houtman die Bucht 1595 Mosselbaai, nach der anderen war es Admiral Paulus van Caerden am 8. Juli 1601. Sicher ist nur, dass der Name blieb, erst niederländisch, dann englisch als Mossel Bay.

Aliwal South, ein Leuchtturm und die Bahn

Über zwei Jahrhunderte blieb die Bucht ein Ankerplatz ohne Stadt. Das änderte sich im 19. Jahrhundert, als der Ort zum Hafen für die Farmen im Hinterland wurde. 1848 bekam er einen Magistrat und einen neuen Namen: Aliwal South, nach einer Schlacht in Indien, die der damalige Gouverneur der Kapkolonie gewonnen hatte. Der Name setzte sich nicht durch. Die Leute sagten weiter Mossel Bay, und irgendwann tat es die Verwaltung auch.

Am 15. März 1864 brannte zum ersten Mal das Licht auf Cape St Blaize. Der Turm ist nur 14 Meter hoch, steht aber auf der Klippe, sodass sein Feuer 73 Meter über dem Meer liegt und 46 Kilometer weit reicht. Er ist bis heute in Betrieb.

1901 entstand an der Market Street eine Getreide- und Sägemühle, 1902 daneben ein zweites Gebäude. Beide stehen noch. In der Mühle ist heute das Maritime Museum mit der Karavelle, im Nachbarhaus das Muschelmuseum. 1906/07 kam die Eisenbahn, 1912 die erste Hafenmole. Damit hatte die Bucht, was ein Hafen braucht: Anschluss ans Land und Schutz vor der See.

Der weiße Leuchtturm von Cape St Blaize mit rotem Dach, dahinter das Meer
Seit dem 15. März 1864 in Betrieb: der Leuchtturm auf Cape St Blaize.

Gas, Museum, Welterbe

Der größte Einschnitt der jüngeren Zeit kam vom Meer, aber nicht per Schiff. Vor der Küste liegen Gasfelder, und 1987 ging vor den Toren der Stadt die Anlage von Mossgas in Betrieb, die Erdgas zu flüssigem Kraftstoff verarbeitet. Seit 2002 heißt sie PetroSA. Die Raffinerie brachte Arbeit und eine zweite Stadt neben dem Ferienort, mit Rohren und Tanks statt Strandhäusern.

Ein Jahr später, am 3. Februar 1988, genau 500 Jahre nach der Landung, öffnete das Bartolomeu Dias Museum. Herzstück ist der Nachbau seiner Karavelle in Originalgröße. Er kam nach einer Segelreise von Portugal in der Bucht an und steht seitdem in der alten Mühle an der Market Street. Ein Schiff im Haus, und das Haus war einmal eine Mühle.

Die Stadt ist seitdem gewachsen. Beim Census 2022 zählte die Gemeinde 140.075 Einwohner, die angrenzenden Townships eingerechnet (Stand August 2026). Und 2024 kam die jüngste Auszeichnung für die älteste Geschichte: die Aufnahme von Pinnacle Point ins UNESCO-Welterbe.

Unser TippLeg das Dias-Museum und Pinnacle Point auf zwei verschiedene Tage. Das Museum liegt im Zentrum und braucht keine Anmeldung, die Höhlen liegen westlich der Stadt und sind nur mit gebuchter Führung zugänglich. Zwischen beidem liegen 164.000 Jahre, und die gehen nicht in einen Nachmittag.

Wo du die Geschichte heute siehst

Fast alles davon liegt zu Fuß erreichbar im Zentrum. Nur für Pinnacle Point brauchst du das Auto und einen gebuchten Termin.

Häufige Fragen zur Geschichte von Mossel Bay

Wann landete Bartolomeu Dias in Mossel Bay?

Am 3. Februar 1488. Dias hatte auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien das Kap umrundet und ankerte in der Bucht von Mossel Bay, um Wasser zu holen. Es war die erste Landung von Europäern auf südafrikanischem Boden. Der Streit um die Wasserstelle mit den Khoikhoi, die dort lebten, endete gewaltsam.

Was ist der Post Office Tree in Mossel Bay?

Ein alter Milkwood-Baum im Gelände des Dias-Museums in Mossel Bay. 1500 oder 1501, je nach Quelle, hängte der portugiesische Kapitän Pedro de Ataíde dort einen Schuh mit einer Nachricht für die nachfolgende Flotte auf. João da Nova fand sie und ließ neben dem Baum einen kleinen Schrein errichten, die erste christliche Andachtsstätte Südafrikas. Heute steht unter dem Baum ein Briefkasten in Form eines Stiefels; Post von dort bekommt einen Sonderstempel.

Warum ist Pinnacle Point bei Mossel Bay UNESCO-Welterbe?

Weil die Höhlen an der Küste westlich von Mossel Bay die ältesten bekannten Belege für modernes menschliches Verhalten enthalten: Nahrung aus dem Meer, Ocker als Farbstoff und im Feuer vorbehandelte Steinwerkzeuge, rund 164.000 Jahre alt. Ausgegraben wird seit 2000 unter Curtis Marean. Seit 2024 gehört Pinnacle Point zur Welterbestätte „The Emergence of Modern Human Behaviour“.

Woher kommt der Name Mossel Bay?

Von den Muscheln, die niederländische Seeleute am Strand fanden. Zwei Überlieferungen gibt es: Cornelis de Houtman soll die Bucht 1595 Mosselbaai genannt haben, oder Admiral Paulus van Caerden am 8. Juli 1601. Die englische Form Mossel Bay setzte sich später durch. 1848 hieß der Ort kurzzeitig Aliwal South, der Name hielt sich nicht.

Kann ich die Höhlen von Pinnacle Point in Mossel Bay besuchen?

Ja, aber nur mit Führung. Die Touren zu den Höhlen von Pinnacle Point bei Mossel Bay laufen über Point of Human Origins in kleinen Gruppen; buch vorher über deren Website. Preise und Startzeiten stehen dort (Stand August 2026, prüf das vor der Reise).